Russland reduziert Gaslieferungen

„Die Erdgaslager in der EU sind voll“ – mit dieser Aussage versucht eine Sprecherin des deutschen EU-Energiekommissars Günther Oettinger die Gemüter in den EU-Staaten zu beruhigen. Das Statement ist die Reaktion auf eine spürbare Einschränkung der russischen Gaslieferungen an laut Angaben der Sprecherin bislang insgesamt acht EU-Länder, darunter auch Deutschland.

Nach einem bislang eher milden Verlauf des Winters hat „Väterchen Frost“ Europa in den vergangenen Tagen mit ungeheuerlicher Wucht getroffen. In weiten Teilen Deutschlands wurden nächtliche Tiefstwerte von bis zu -30 Grad Celsius gemessen. Ähnlich frostige Temperaturen lassen den Energiebedarf innerhalb Russlands rapide ansteigen und wirken sich somit auf das zur Verfügung stehende Exportvolumen aus. Zwar betonte Alexander Medwedew, Generaldirektor der Exportgesellschaft Gazpromexport des russischen Gasgiganten Gazprom, dass das Erdgasfördervolumen gestiegen sei, doch ein täglicher Verbrauch von mehr als zwei Milliarden Kubikmetern alleine in Russland lässt den Gasanbieter vom vertraglich fixierten Recht Gebrauch machen, bei erhöhtem Eigenbedarf die Lieferungen nach Europa zu drosseln.

Ein Sprecher des größten deutschen Energieversorgers E.on sprach von einer Reduktion der Liefermenge nach Deutschland um etwa 30 Prozent, eine von den Mitbewerbern RWE und Wingas bestätigte Einschätzung der anzunehmenden Größenordnung. Die Bundesrepublik gilt als der größte Gasimporteur innerhalb der Europäischen Union. Doch trotz dieser Ausfälle schließen die EU-Kommission, die deutschen Energieversorger und das Wirtschaftsministerium unisono etwaige Engpässe in der Stromversorgung aus. Bereits im Jahre 2009 hatten Ungereimtheiten über die Gaspreisgestaltung zwischen Russland und dessen Nachbarstaat Ukraine, das ob seiner geografischen Lage als Transitland nach Westeuropa fungiert, zu Einschränkungen der Gaslieferungen geführt und in einzelnen Ländern der EU zu ernsthaften Engpässen geführt. Damals sprang Deutschland einigen osteuropäischen Staaten mit seinen prall gefüllten Gasspeichern übergangsweise als Ersatzlieferant zur Seite.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin nutzte derweil die Gelegenheit, um erneut auf die Relevanz des Ausbaus von Gaspipelines nach Europa hinzuweisen. Nach einem Treffen Putins mit der Führung des russischen Gasexportmonopolisten Gazprom gestand diese erstmalig ein, die Gaslieferungen in die EU zurückgefahren zu haben. Zunächst erhob der Gasanbieter wie schon in jüngerer Vergangenheit Vorwürfe, die Ukraine zapfe mehr als die vertraglich vereinbarte Menge an Gas ab und sei somit für die Fehlmengen verantwortlich. Inzwischen seien die beförderten Volumina aber wieder auf dem Ursprungsniveau angelangt. Vielmehr werden die Schuldigen neuerdings bei denjenigen Stellen gesucht, die sich lange Zeit gegen die Errichtung der Ostseepipeline Nord Stream zur Wehr setzten. Mit einiger Verzögerung wurde der erste Strang der Pipeline im November des vergangenen Jahres in Betrieb genommen. Im Dezember dieses Jahres soll früher als zunächst geplant der Bau der auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlaufenden South Stream Leitung beginnen und eine Ausweitung der Exportkapazität Russlands von derzeit etwa 125 Milliarden Kubikmetern auf im Bedarfsfall 200 Milliarden Kubikmeter bis zum Jahre 2020 unterstützen und zudem eine geringere Abhängigkeit der Abnehmerländer aus der EU-Zone von den Transitländern Ukraine und Weißrussland mit sich bringen.

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